Gesamtstädtisches Einzelhandelskonzept Kiel (GEKK)

Die Ratsversammlung hat am 20. Januar 2011 das Gesamtstädtische Einzelhandelskonzept Kiel (GEKK) beschlossen. Anlass für das Konzept ist der Wandel der Kieler Einzelhandelslandschaft in den letzten zehn Jahren.

Das bisher gültige Einzelhandelskonzept wurde bereits im Jahr 2000 beschlossen und ist als Entscheidungs- und Abwägungsgrundlage nicht mehr ausreichend. Die strukturellen Veränderungen im Einzelhandel und die Vielzahl der inzwischen erfolgten Einzelhandelsansiedlungen im Stadtgebiet machten eine Neuausrichtung erforderlich.

Mit dem Gesamtstädtischen Einzelhandelskonzept Kiel haben Politik und Stadtverwaltung ein Instrument, um die Einzelhandelsentwicklung im Sinne einer positiven Stadtentwicklung zu lenken.

Ein besonderes Anliegen ist der Erhalt und die Förderung der Nahversorgung im Stadtgebiet. Erstmals wurden im gesamten Stadtgebiet klar abgegrenzte Zentrale Versorgungsbereiche ausgewiesen, die die Nahversorgung in den einzelnen Stadtteilen sicherstellen sollen.
 

Die Grundlagen des Konzeptes wurden von dem renommierten Gutachterbüro Junker und Kruse aus Dortmund erarbeitet. Die Gutachter stellten die Ergebnisse im Januar 2010 in den städtischen Gremien vor. Im März 2010 fanden vier stadtteilbezogene Informationsveranstaltungen für die Kieler Ortsbeiräte und die Öffentlichkeit statt. Die Kieler Kaufleute wurden zu einer weiteren Veranstaltung eingeladen.

Der Entwurf des Gesamtstädtischen Einzelhandelskonzeptes Kiel (GEKK) lag im Sommer 2010 drei Monate lang öffentlich aus. Die Verwaltung und das Gutachterbüro werteten die eingegangenen Anregungen gemeinsam aus und arbeiteten sie in den Konzeptentwurf ein. Anschließend wurde der überarbeitete Konzeptentwurf im Herbst 2010 dem Bauausschuss und dem Wirtschaftsausschuss vorgelegt. Der endgültige Beschluss erfolgte durch die Ratsversammlung am 20. Januar 2011.

Als Hintergrundinformation können die im März 2010 vorgestellten Ergebnisse des Gutachters aufgerufen werden. Die Powerpoint-Präsentationen zeigen die Ergebnisse aufgeteilt in die Stadtbereiche:


Fachbaustein Einzelhandel:
Perspektiven für die Kieler Innenstadt

Die Landeshauptstadt Kiel hat sich mit steigenden Umsatzzahlen als herausragender Einzelhandelsstandort behauptet und seine Bedeutung noch steigern können. Dabei hat es Verlagerungen zu Lasten der Innenstadt gegeben. Deshalb ist es dringend notwendig, die Anziehungskraft der Innenstadt zu steigern. Zusätzliche leistungsfähige Einkaufszentren sind geeignet, die Attraktivität der Innenstadt nachhaltig zu stärken.

Dies sind die wichtigsten Aussagen einer Untersuchung der CIMA Stadt-marketing GmbH aus Lübeck über den Einzelhandel in Kiel. Diese Studie ist Baustein für die Entwicklung des Rahmenkonzeptes "Perspektiven für die Kieler Innenstadt“.

Von 2004 bis 2008 stieg der Gesamtumsatz in Kiel laut CIMA von 1,5 auf 1,7 Milliarden Euro. Hierdurch ist die Einzelhandelszentralität der gesamten Stadt Kiel von 137,8 auf 140,3 Prozent gestiegen. Der Wert der Einzelhandels-zentralität beschreibt das Verhältnis des Einzelhandelsumsatzes zu der vorhandenen Nachfrage. Wird der Wert von 100 Prozent überschritten, fließt Kaufkraft aus den Umlandgemeinden in das Zentrum.

Das Gutachten

Der Gutachter hat im Januar und Februar 2008 700 Haushalte aus Kiel und dem Umland telefonisch zu ihrem Einkaufsverhalten befragt und an verschiedenen Orten der Innenstadt Kunden interviewt. So konnte festgestellt werden, dass die Innenstadt nach wie vor der bedeutendste Einzelhandelsstandort innerhalb Kiels ist.

Insgesamt hat die Innenstadt allerdings an Bedeutung verloren. Der Gutachter spricht von einem Umsatzrückgang von 7,5 Prozent. Hier zeigt sich die Konkurrenz von anderen Einzelhandelsstandorten zur Innenstadt, insbesondere vom CITTI-Park an der Peripherie der Stadt. Beispielsweise werden Elektroartikel und Unterhaltungselektronik von 34 Prozent der Befragten im CITTI-Park gekauft. Nur 28 Prozent der Befragten tätigen diese Einkäufe in der Innenstadt.

Wesentlicher Anziehungspunkt in der Innenstadt ist der Sophienhof mit Holstentörn und Querpassage. Positiv für die Innenstadt wurden die langen Öffnungszeiten sowie Märkte, Feste und Veranstaltungen bewertet. Nur wenige Kunden allerdings bummeln durch die gesamte Innenstadt, da ihnen der Weg zwischen Sophienhof und Altstadt für einen Bummel zu lang ist.

Die Attraktivität der Innenstadt kann durch zusätzliche leistungsfähige Einkaufszentren nachhaltig gestärkt werden. Das aktuell geplante Einkaufszentrum "Rathausgalerie“ wird grundsätzlich als eine adäquate Möglichkeit dargestellt, die Innenstadt zu stärken und dem Bedeutungsverlust des Einzelhandels entgegenzuwirken. Sie kann nach Aussagen der Untersuchung als sinnvolle Ergänzung zum Sophienhof und als Scharnier zur Altstadt fungieren.
 

Außerdem hat die CIMA eine Einschätzung zu den drei weiteren in der Diskussion befindlichen Einzelhandelsprojekten abgegeben:

Szenario 1
Das Karstadthaus am Alten Markt und das LEIK werden aufgewertet. Es entstehen keine zusätzlichen Verkaufsflächen.

Szenario 2
Das Karstadthaus und das LEIK werden einschließlich des Baublocks östlich der Eggerstedtstraße neu entwickelt. Hierdurch entstehen circa 7.500 m² zusätzliche Verkaufsfläche.

Szenario 3
Durch ein Shopping-Center am Schloss würde die Kieler Innenstadt 30.000 m² zusätzliche Verkaufsfläche erhalten.
 

Nach Ansicht von CIMA sind Szenario 1 und 2 mit Priorität voranzutreiben, je nach Konzeption sind beide Entwicklungsvarianten möglich. Bei der Realisierung eines Shopping-Centers im Bereich Schloss mit rund 30.000 m² zusätzlicher Verkaufsfläche (Szenario 3) besteht aus Sicht der CIMA die Gefahr einer hohen innerstädtischen Umsatzumverteilung.

Die CIMA empfiehlt deshalb eine auf den Einzelfall bezogene Untersuchung, wie sie für das Projekt "Rathausgalerie" bereits durchgeführt wurde.

Für das Rahmenkonzept Innenstadt werden Interviews geführt, Expertenabende und eine Planungswerkstatt durchgeführt. Die Grundlage für das Beteiligungsverfahren zur Erstellung des Rahmenkonzeptes können Sie hier aufrufen.