Das Kieler Prunksiegel

Seit 2006 verleiht die Stadt das mittelalterliche große Kieler Stadtsiegel – genannt Prunksiegel. Es ist eine Ehrung für Menschen, die sich in besonderem Maße für die Belange Kiels einsetzen oder einen speziellen Bezug zur Stadt haben. Oberbürgermeister*in und Stadtpräsident*in entscheiden gemeinsam über die Vorschläge und überreichen das Siegel gemeinsam.

Das Originalsiegel entstand wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und gilt als Meisterwerk mittelalterlicher Gravurkunst. Die Reproduktion besteht aus Messing. 

Ursprünglich wurde das Prunksiegel in eine Kupfer- oder Bronzeplatte gestochen. Die Aussagen hierüber gehen auseinander. Das Originalsiegel mit einem Durchmesser von 94 Millimetern wiegt etwa 1 Kilogramm. Es stellt ein Boot mit einem Segel dar, eine Hansekogge. Das Schiff gilt als Symbol für den Anspruch der neuen Stadt Tom Kyle auf Teilhabe am Handel über See und an der Hansemitgliedschaft. 

Am Ruder sitzt ein Fährmann mit Kapuze. Vorn am steil stehenden Bugspriet befindet sich am Bootsrand der Schild mit dem Nesselblatt, Wahrzeichen des Grafen von Schauenburg und bis heute Bestandteil des städtischen Wappens. Die Umschrift + SIGILLUM • CIVIUM • KILENSIUM bedeutet „Siegel der Kieler Bürger“. 

Prunksiegel auf blauem Samt

Kiel gehört zu den wenigen Städten, die ihr Schiff im Wappen, wenn auch in abstrahierter Form, durch alle Zeiten der Geschichte beibehalten haben und es auch jetzt noch in Hinblick auf Marine und Handelsschifffahrt mit Recht führen können.


Sigillum Civium Kilensium, das große Kieler Stadtsiegel oder auch Prunksiegel, ist aller Wahrscheinlichkeit nach zum Ende des 13. Jahrhunderts oder zwischen 1300 und 1345 entstanden. Es wurde ausschließlich zu besonderen festlichen Anlässen verwendet und galt als Zeichen staatlicher Macht. Siegel waren im Mittelalter die wichtigste Form der Beglaubigung schriftlicher Rechtshandlungen. Einziger Nachweis für die Verwendung des Kieler Prunksiegels ist eine Urkunde von 1345, die sich im Staatsarchiv Hamburg befindet.

Neben dem großen Prunksiegel wurde das kleinere Sekretsiegel (Sekretum Consulum de Kilone = Geheimsiegel der Ratsleute von Kiel) für die normalen Amtsgeschäfte benutzt. Auch dieses entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts.

1942 wurde das Prunksiegel mit anderen alten und kostbaren Beständen vom Stadtarchiv Kiel in den kleinen Ort Putlitz (ehemalige DDR, sowjetische Besatzungszone) ausgelagert. Von hier aus ging es verloren, bis sich 1953 aufgrund eines Berichtes in den Kieler Nachrichten ein Kieler meldete, der einen Abguss des Prunksiegels bei sich zuhause aufbewahrte. Er hatte das Siegel 1946 bei Aufräumarbeiten unter Trümmern in Kiel gefunden. Später stellte sich heraus, dass dieser Stempel kein Original, sondern eine Nachbildung war.

Ebenfalls 1953 wurden von Professor Ernst Rump von der damaligen Muthesiusschule Nachbildungen sowohl des Prunk- als auch des Sekretsiegels angefertigt. Als Vorlage für die mühselige Arbeit dienten alte beschädigte Gips- und Siegellackabdrücke, die sich noch heute im Stadtarchiv Kiel befinden.

1958 fand ein zwölfjähriger Schüler aus der Nähe von Hildesheim das Original-Prunksiegel in dem kleinen Flüsschen Nette. Man nimmt an, dass „das Petschaft“ (Ausdruck für Siegel / Stempel) in der Kriegs- oder Nachkriegszeit über amerikanische Soldaten von Putlitz über Berlin in die Hildesheimer Gegend gelangt ist. Dankenswerterweise kam das Prunksiegel durch diesen Zufall wieder in den Besitz der Landeshauptstadt Kiel, wo es noch heute im Stadtarchiv aufbewahrt wird.

Nachbildungen

Die Reproduktion entstand auf Anregung des früheren FH-Dozenten Professor Dieter Kohtz vom Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei e.V. in Zusammenarbeit mit dem CIM-TT.

Dazu wurde zunächst eine der Nachbildungen des Prunksiegels am Computer durch 3D-Digitalisierung rekonstruiert, danach ein Modell gefräst, mit dem schließlich in Einzelanfertigung im Sandgussverfahren weitere Exemplare reproduziert werden können. Dies geschah in der Gießerei Pürschel in Flintbek bei Kiel.


Das Siegel bekamen überreicht:

25. Dr. Fritz Süverkrüp
für sein Engagement in der Bürgerstiftung Kiel (langjähriger Vorstand), anlässlich seines Ausscheidens aus dem Vorstand, 
am 28. März 2022

24. Gerhard Lüthje
für seine Verdienste um die Pflege der Tradition der seemännischen Shanties im gesamten Ostseeraum und aller Anrainerstaaten, am 6. April 2019

23. Erich Schneekloth
Architekt, für seine Verdienste an der Planung und dem Neubau des Hospiz Kieler Förde, am 23. Februar 2017

22. Jörg Rüdel (verstorben am 17. März 2016)
Initiative gegen Kinderarmut (inka e.V.), am 22. Februar 2016

21. Geneviéve Champeau-Bréhier
Deutsche Honorarkonsulin, mit offiziellem Sitz in Kiels Partnerstadt Brest, 
am 19. Juni 2014

20. Heinz Bachmann
Langjähriger Marketingdirektor des Kieler Seehafens, anlässlich seines Eintritts in den Ruhestand, 
am 21. September 2012

19. Michael Scholz
anlässlich seiner Pensionierung als Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, im Juli 2019

18. Werner Tanck
Leiter Polizeidirektion Kiel, anlässlich seines Ausscheidens aus dem Polizeidienst in Kiel, 
am 17. Februar 2011

17. Major Tony Hibbert (verstorben 2014)
Ehemaliger Angehöriger der britischen 5 Kings/2T Force OCA-Einheit, 
am 3. Mai 2010

16. Mario Schröder
Ballettdirektor am Theater Kiel, anlässlich seines Weggangs von Kiel nach neun Spielzeiten, 
am 22. Juni 2010

15. Trond Kleivdal
Präsident der Color Line, am 10. September 2009

14. Rosemarie Kilian (verstorben 2014)
Kammerschauspielerin, am 2. Juni 2009

13. Röttger Wittern
Langjähriger Geschäftsführer der Firma Sartori und Berger, am 12. September 2008

12. Günther Bantzer (verstorben am 16. Oktober 2019)
Alt-Oberbürgermeister und ehemaliger Vorstand der Kieler Bürgerstiftung, am 12. März 2008

11. Norbert Aust
Leiter des Kieler Theaters im Werftpark, 
am 22. Februar 2008

10. Jan Lensky
Ehemaliger Leiter des Sinfonieorchesters der Musikschule Kiel, anlässlich seiner Verabschiedung, am 2. Dezember 2007

9. Gunnar Blomdahl
Geschäftsführer der Stena Line, am 12. Oktober 2007

4. – 8. Fünf Spieler des THW Kiel
Anlässlich der Handball-WM, 2007

3. Emil Hartmann (verstorben 2007)
Reeder, 2007

2. Prof. Jost Delbrück
CAU Kiel, 2006

1. Angela Merkel
Bundeskanzlerin, 2006