Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei

Die Metallgießerei ist das letzte erhaltene Gebäude der Howaldtswerke, die sich 1876 im heutigen Stadtteil Dietrichsdorf ansiedelten. Bis 1980 in Betrieb, repräsentiert die Gießerei rund 100 Jahre Industrie- und Werftgeschichte. Der Arbeitsraum mit der Ofenanlage im Mittelpunkt ist weitgehend original erhalten.

Die Metallgießerei öffnet - voraussichtlich ab 14. April - nur für Veranstaltungen und Führungen. Bitte beachten Sie die Ankündigungen im Terminkalender.


Nur ein paar Schritte vom Fähranleger „Dietrichsdorf“, zwischen Ostuferhafen und Fachhochschule, liegt die ehemalige Howaldtsche Metallgießerei. Hier wurden von 1884 bis 1980 vorwiegend Bronze-, Messing- und Kupferteile für die Schiffe der Howaldtswerke hergestellt.

Die Geschichte der Howaldtswerke beginnt im Jahr 1835. Damals gründete August Ferdinand Howaldt eine Maschinenfabrik am Kleinen Kiel. Es war der erste Industriebetrieb der Stadt. 1838 stieg der Unternehmer Johann Schweffel als Kapitalgeber mit ein. „Schweffel & Howaldt“ stellten Dampfmaschinen für Industrie, Landwirtschaft und Schiffbau her. Sie bauten auch selbst Schiffe, darunter 1850 das Tauchboot „Brandtaucher“ von Wilhelm Bauer.

1876 übernahmen die Söhne Georg, Bernhard und Hermann Howaldt die Firmenleitung. Im gleichen Jahr gründete Georg Howaldt in Dietrichsdorf die „Schiffswerft Georg Howaldt“.

1880 verlegten die Brüder auch die Maschinenfabrik nach Dietrichsdorf. Sie sollte alle Teile herstellen, die auf der Schiffswerft gebraucht wurden. 1889 fusionierten beide Betriebe zu den „Howaldtswerken“. Als sie aufgrund der Wirtschaftskrisen in den 1920ern vor dem Konkurs standen, kaufte sich der Reeder Heinrich Diederichsen ein. Es entstand die „Howaldtswerke Aktiengesellschaft“.

Die Werftgebäude in Dietrichsdorf, zu denen auch eine Werksiedlung gehörte, wurden ab 1880 nach den Plänen von Heinrich Moldenschardt (1839-1891) errichtet. Er gilt als bedeutendster Architekt des Historismus in Schleswig-Holstein. Maschinenhalle, Kesselschmiede, Eisengießerei und Metallgießerei lagen nah beieinander, so dass alle Teile in kurzer Zeit zu den Schiffsdocks gebracht werden konnten. Für den Transport hatte man die Gebäude mit Schienen verbunden. Zeitgenossen waren beeindruckt von den großen, hellen Hallen und den schönen Gebäuden mit gemusterten Backsteinwänden und Rundbogenfenstern. Alle Werkstätten hatten elektrisches Licht, sodass die Arbeitszeiten sich nicht nach dem Tageslicht richten mussten. Bei guter Auftragslage wurde Tag und Nacht gearbeitet.

Die Metallgießerei zeigt, wie funktional Moldenschardt plante. Der Schornstein steht im Mittelpunkt des quadratischen Gebäudes, sodass man ringsum Gussöfen aufstellen kann. Zugleich dient er als Stütze für die Balken des Walmdaches. In die Außenwände sind Lüftungsschächte eingebaut.

Im Lauf der Jahre bekam die Metallgießerei mehrere Anbauten, um mehr Platz für die einzelnen Arbeitsschritte zu schaffen. Diese Anbauten wurden bei der Sanierung 2003-2006 entfernt, um den Moldenschardt-Bau wieder sichtbar zu machen. Eine Attrappe aus Cortenstahl ersetzt seitdem den gemauerten Schornstein, der nur noch als Rest erhalten gewesen war.

Hebewerkzeug unter der Decke der Gießerei

In der Metallgießerei wurde harte Arbeit geleistet. Besonderes Können verlangte die Herstellung der Gussformen, für die speziell aufbereiteter Sand in Formkästen gepresst wurde. Stand die Werkstatt voll mit Formkästen, begann das Gießen. Meterhohe Schmelztiegel wurden in die heißen Öfen gesenkt, um das Metall zu schmelzen - das Rezept für die Legierungen unterlag strengster Geheimhaltung. Schutzkleidung für die gefährliche Arbeit mit Feuer und flüssigem Metall wurde erst ab den 1960ern gestellt.

Den 120 Tage währenden Metallarbeiterstreik im Jahr 1956 nutzte die Firmenleitung, um die Anlagen zu erneuern und von Koks- auf Ölöfen umzustellen. Es war die letzte Modernisierung des Gießereibetriebs.

Nach der endgültigen Schließung der Metallgießerei im Jahr 1980 gab es Pläne, das Gebäude an die Hörn zu versetzen, um es zum Teil eines geplanten Museums für Industrie- und Alltagskultur zu machen. Dieses Museum wurde jedoch nie realisiert. 2003 gründeten Interessierte den Verein „Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei“. Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des EU-Förderprogramms „Urban II“ sorgten sie für eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes. 2007 wurde das Museum eröffnet und bis Ende 2019 vom Verein betrieben. Seine regelmäßigen Gussvorführungen machten die Metallgießerei zum beliebten Ausflugsziel.

Ab Januar 2020 übernimmt das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum die Howaldtsche Metallgießerei als neuen Standort. Es gewinnt damit einen Bau und eine Ausstattung, die authentisch Zeugnis ablegen von der Kieler Industrie-, Schiffbau und Arbeitergeschichte.

Leider sind alle Aufsichtskräfte im Stadtmuseum Warleberger Hof erkrankt. Das Haus muss daher am Samstag, 16. Februar und am Sonntag, 17. Februar geschlossen bleiben.

Wir bitten um Verständnis.

Signet Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof
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Fünf Schauplätze

Lageplan der Metallgießerei

Montag geschlossen
Dienstag - Sonntag 10 - 18 Uhr
Zusätzlich Donnerstag bis 20 Uhr

An Feiertagen kann es zu Änderungen kommen. Bitte beachten Sie die aktuellen Ankündigungen.


 


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