Nachhaltiges Kiel

Nachhaltige Städte und Gemeinden

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten, für das Jahr 2050 werden 75 Prozent prognostiziert. Bereits jetzt werden in den Städten etwa 80 Prozent der monetär gemessenen weltweiten Wertschöpfung erzeugt, aber auch 80 Prozent der Treibhausgase und 50 Prozent des Abfalls produziert.

Städte sind wichtige Akteure

Insofern ist es nur konsequent, dass die Regierungen ein eigenständiges Ziel für Städte in die Agenda 2030 aufgenommen haben. Hier entscheidet sich, ob die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung gelingen wird oder nicht. Bei der Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer nachhaltigen Entwicklungsziele misst auch die Bundesregierung den Städten und Kommunen eine wichtige Rolle bei. Nach ihren Worten sind sie „wesentliche Akteure und treibende Kraft“.

Erforderlich ist eine neue Stadtentwicklungspolitik, die soziale, ökologische und ökonomische Ziele miteinander verbindet sowie Sektor übergreifendes Denken und Handeln fördert. Auch Kiel verfolgt diesen Ansatz, in verschiedenen Leitbildern zur Stadtentwicklung – wie unter anderem dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEKK) oder dem Freiräumlichen Leitbild.

Die Zielvorgaben von SDG 11 sehen vor allem vor, zusätzlichen Wohnraum und gut ausgebaute, öffentliche Verkehrssysteme zu schaffen, die Umweltbelastung in den Städten zu senken, die Zahl der von Katastrophen betroffenen Menschen zu reduzieren und die Stadtplanung inklusiver und partizipativer zu gestalten.

Bezahlbaren Wohnraum für alle schaffen

Den Zugang zu angemessenem, sicherem und bezahlbarem Wohnraum für alle Menschen bis 2030 sicherzustellen, ist zweifellos ein ambitioniertes Ziel. In Kiel wird das Thema Wohnen viel diskutiert, denn die Wohnungsversorgung ist ein zentraler Bestandteil der sozialen und gerechten Stadtentwicklung.

Als wachsende Stadt mit wenig Fläche und vielen Student*innen hat sich die Wohnungssituation in den vergangenen Jahren deutlich verschärft: die Nachfrage ist gewachsen und die Mieten und Immobilienpreise sind deutlich gestiegen. Auf der anderen Seite entsteht aber auch einiges: So ist beispielsweise noch für 2018 vorgesehen, mit der Erarbeitung eines integrierten Stadtteilentwicklungskonzept für das alte Marineviertel in der Wik zu beginnen.

An der Hörn, in der sogenannten Kai City Kiel, plant eine Investorengemeinschaft – die Hamburger Deutsche Immobilien Projektentwicklung – neben Gewerbeflächen fast 400 Wohnungen zu bauen. Auch in Holtenau Ost, auf dem Gelände des ehemaligen Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5), soll mittelfristig ein neues Stadtquartier entstehen, und im Kieler Süden ist bereits in den vergangenen Jahren viel neuer Wohnraum entstanden.

Zahl der Wohnungslosen auch in Kiel gestiegen

Die wachsende Anzahl der „akuten Wohnungsnotfälle“ in Kiel macht deutlich, dass konsequentes Handeln dringend erforderlich ist: 2008 waren 268 Menschen in Kiel ohne Wohnung, laut aktuellem Sozialbericht 2018 ist die Zahl auf über 1.000 Menschen angewachsen.

Die Landeshauptstadt setzt sich dabei dafür ein, dass bei allen neu begonnen Bauprojekten eine gute Mischung mit im Mittel mindestens einem Drittel sozial gefördertem bzw. genossenschaftlichem Wohnraum entsteht. Die neue Kooperation aus SPD, Grünen und FDP im Kieler Rathaus hat zudem in ihrem Kooperationsvertrag angekündigt, die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft voranzubringen, um ausreichend öffentlich geförderten Wohnraum sicherstellen zu können.

Umweltstandards beim Bauen

Nicht nur die soziale Dimension spielt beim (Wohnungs)Bau eine Rolle, sondern auch ökologische Aspekte. Für städtische Planungen sowie Bau- und Sanierungsmaßnahmen gelten die hohen energetischen Einsparstandards der Innovativen Bauausstellung (InBA Kiel®) als verbindliche Leitlinie. Diese sollen möglichst auch bei Verträgen mit externen Investoren – beispielsweise bei Grundstückskaufverträgen, Erschließungsverträgen, Durchführungsverträgen und Wettbewerben – verbindlich vereinbart werden.

Darüber hinaus gibt es eine Kriterienliste zur Entwicklung von Bauflächen, die in Erstgesprächen zwischen Vorhabenträgern und der Verwaltung abgearbeitet wird, um einen qualitätsvolle und nachhaltige Entwicklung von Wohnbauflächen und mischgenutzten Quartieren zu erzielen.

Zudem wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Energiekonzepte für unterschiedliche Stadtteile erstellt, wie unter anderen für Klimagaarden, das Energiequartier Elmschenhagen Süd oder das Energiequartier Olympiazentrum. Spannend ist, dass dabei auch städtebauliche Fragestellungen wie Gestaltung, Barrierefreiheit, Mobilität und Nachverdichtungspotentiale berücksichtigt wurden.

Nachhaltige und bezahlbare Mobilität

Grünes Kiel, mobiles Kiel, klimaneutrales Kiel - die Landeshauptstadt arbeitet für eine gut funktionierende Verzahnung dieser Ziele. Bis 2050 möchte die Klimaschutzstadt Kiel den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um mindestens 95 Prozent reduzieren und den Endenergieverbrauch halbieren.

Insbesondere für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes ist eine signifikante Reduzierung des sogenannten motorisierten Individualverkehrs – also der Autos – dringend erforderlich. Zumal sich immer mehr Kielerinnen und Kieler eine Stadt wünschen, die menschenfreundlicher und weniger autofreundlich ausgerichtet ist.

Es geht darum, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und insgesamt die Elektromobilität in der Stadt zu fördern. Die 10 neuen Hybridbusse der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG), die im Januar 2018 in Betrieb genommen wurden, sind ein erster wichtiger Schritt.

Stadtbahn für Kiel

Im Masterplan Mobilität, der den Masterplan 100 %Klimaschutz ergänzt, sind weitere ambitionierte Ziele und Maßnahmen enthalten. Dazu zählen auch die Ausweitung der Förde-Schifffahrt sowie der konsequente Ausbau des Radverkehrs und von Car- und Bikesharing-Angeboten.

An Fahrt gewinnt aktuell auch die Debatte um eine Stadtbahn für Kiel – die ursprüngliche Straßenbahn wurde in den 1980er Jahren abgeschafft. Die neue Kooperation im Rathaus aus SPD, Grünen und FDP hat in ihrem Kooperationsvertrag angekündigt, möglichst zeitnah die Entwicklung eines Stadtbahn-Konzeptes auf den Weg zu bringen. Mittelfristig gilt es zudem, die Preise für den Öffentlichen Nahverkehr in Kiel zu senken. Die Einführung des Seniorentickets mit 25 Prozent Rabatt wurde bereits sehr gut angenommen.

Ein Ziel der Politik ist es nun, innerhalb der nächsten fünf Jahre das Ein-Euro-Ticket einzuführen. Eins ist klar: Bezahlbare und umweltfreundliche Mobilität fördert die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt und sorgt für einen immensen Anstieg an Lebensqualität für die Bürger*innen.

 

Aktuelle Befragung zum Mobilitätsverhalten

Im Rahmen des Projekts „Wohnen leitet Mobilität“ führen der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) in Kooperation mit der KielRegion GmbH und der Landeshauptstadt Kiel zur Zeit eine Umfrage bei den Bewohnerinnen und Bewohnern durch. Das Ziel ist, besser zu verstehen, welche Voraussetzungen notwendig sind, um den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität voranzubringen. Die Umfrage ist bis zum 30. September 2018 online verfügbar.

Beteiligung der Bürger*innen

Zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung gehört auch, dass Bürger*innen sich über die Kommunalwahlen hinaus ganz aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Stadt – ihres direkten Lebensumfeldes – beteiligen können.

Die Landeshauptstadt Kiel möchte den Einwohner*innen durch verschiedene freiwillige Bürgerbeteiligungs-Verfahren ermöglichen, eigene Ideen, Meinungen und Vorschläge einzubringen: sei es bei den Perspektiven für die Innenstadt, bei der Gestaltung von Spielplätzen und Grünflächen oder gar der Planung neuer Stadtquartiere.

Hierfür wurde eine Koordinierungsstelle Bürgerbeteiligung bei der Verwaltung eingerichtet und zudem wurden in einem partizipativen Prozess zugehörige Leitlinien erarbeitet. Geplant ist weiterhin die Veröffentlichung einer sogenannten „Vorhaben-Liste“, auf der alle Ämter der Stadt ihre geplanten Projekte eintragen und damit Transparenz schaffen.

 

Kiel zur Zero Waste-Stadt machen

Im Hinblick auf eine umweltverträgliche Bewirtschaftung der Abfälle beinhaltet das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Deutschland bereits sehr anspruchsvolle Vorschriften. Tatsächlich nimmt die Recyclingquote für Siedlungsabfälle in Deutschland mit etwa 66 Prozent den Spitzenplatz innerhalb der Europäischen Union ein.

Gleichzeitig stehen die Deutschen im Bereich der Müllvermeidung aber ganz unten auf der Liste der europäischen Länder, nur Dänemark und Zypern erzeugen pro Kopf mehr Abfall. Diesem Thema will sich die Stadt, gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb (ABK) und dem Verein Zero Waste e.V., jetzt verstärkt widmen. Ein Ziel ist, dass Kiel sich wie die Partnerstadt San Francisco der internationalen Zero Waste Bewegung anschließt und sich möglichst noch in diesem Jahr erste deutsche Zero Waste City nennen kann.

 


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Kontakt

Stefanie Skuppin
Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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