Kieler Erinnerungstag:

2. September 1879
Am 2. September 1879 wurde das Kriegerdenkmal im Schlossgarten eingeweiht

„Um die Einweihung des Kriegerdenkmals in Kiel mitzufeiern, waren heute Nachmittag die Tausende auf den Beinen. Vom Exerzierplatz an durch alle Straßen, die der Festzug passiren sollte, bis an das Denkmal hinan im Schlossgarten standen Tausend und aber Tausend, Mann an Mann. Wie ausgestorben, menschenleer schienen alle anderen Stadtteile. Alles, was gehen konnte, war hingeströmt und bildete mit Frau und Kindern, Verwandten und Freunden Spalier zu beiden Seiten der fahnenreichen, bekränzten und von grünen Laubgewinden durchzogenen Hauptstraßen...“

So beschrieb die Kieler Zeitung die Einweihung des Kriegerdenkmals am 2. September 1879, am Sedantag.

Gestaltung des Denkmals


Das Kieler Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges ist das älteste der noch erhaltenen Denkmäler der Stadt. Es wurde von dem Berliner Bildhauer Rudolf Siemering und dem Kieler Architekten Heinrich Moldenschardt gestaltet. Ausgangspunkt des architektonischen Entwurfs ist der Figurenfries von Siemering. Er bildet das Kernstück des Denkmals, ursprünglich in rötlichem Terrakotta ausgeführt, 1905 durch einen Bronzeguss ersetzt. Dargestellt ist in exemplarischen Szenen die Mobilmachung 1870 – der „Aufbruch“ in den Krieg. Die Figuren zeigen Männer und Frauen allen Alters, aller Berufe vom Bauern und Handwerker bis zum Akademiker, aber auch Veteranen und Soldaten verschiedener Waffengattungen.


Der Fries stellt die „Erhebung des gesamten deutschen Volkes“ dar. Der Pfarrer verabschiedet segnend einen jungen Mann, ein Student schnallt sich das Koppel um, ein Ehemann und Vater nimmt Abschied von seiner Familie, ein Ulan trennt sich von seiner Braut, gerade im Begriff auf sein Pferd zu steigen. Der Fries illustriert zusammen mit dem Reichswappen und den Wappen von Elsass und Lothringen die Inschrift des Redakteurs Rudolf Löwenstein, die sich über dem Fries befindet:


NUN IST DIE KETTE WIEDER VOLL,

WEH’ DEM, DER DARAN RUEHREN SOLL!

WIR LASSEN PFLUG UND HAMMER,

WIR LASSEN BUCH UND KAMMER,

IN ARBEIT EINIG UND IN WEHR,

MIT GOTT UND UNSERM KAISER

EIN HAUS, EIN VOLK, EIN HEER!


Eingerahmt ist das Relief von einem halbkreisförmigen Bau. In der Mitte wird der Fries durch eine Ädikula, die das Zentrum des Denkmal bildet, geteilt.


An dem Wandfeld über einem Kranz mit Lorbeerzweigen ist eine bronzene Inschrifttafel mit den Namen der 26 Kieler Gefallenen in dem Krieg 1870/71 angebracht. Die Architektur des Denkmals ist von dem damals in Kiel am meisten beschäftigten Architekten Heinrich Moldenschardt entworfen.


Bei dem Denkmal handelt es sich um Tendenzkunst. Verherrlicht werden sollten die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes, aber auch die Opferbereitschaft und die soziale Eintracht und Zufriedenheit.

Die Beliebtheit des Denkmals bei den Kielern


Von breiten Schichten der Bevölkerung wurde das Denkmal positiv aufgenommen. In einem von „mehreren Kielern“ verfassten Leserbrief heißt es: „Es ist gerade dies Bildwerk mit seinen prächtigen Relieffiguren eine Zierde unserer Stadt und hat vor vielen seines Gleichen den Vorzug, daß sich Jedermann – man braucht gerade keine Kunstgeschichte studiert zu haben – daran freuen und erheben kann“ (Kieler Zeitung 2. 8. 1882).

Für die Beliebtheit des Denkmals sprach auch, dass der weitaus größte Teil des Baus durch Spenden der Bevölkerung finanziert worden war.


Als das städtische Bauamt 1952 beschloss, das einsturzgefährdete Denkmal abzutragen und bis zu einem Wiederaufbau im Gartenbauamt zu lagern, gab es Proteste in der Kieler Bevölkerung. In vielen Leserbriefen sprach sie sich für den Erhalt der Gedenkstätte aus. Die Proteste hatten Erfolg. Das Denkmal wurde an Ort und Stelle restauriert, die Fundamente erneuert und die Stufen neu verlegt.


Bis heute gilt das Kriegerdenkmal als Sehenswürdigkeit Kiels. Zusammen mit dem Kaiser-Wilhelm-Standbild und dem Bibliotheks- und zoologischen Institutsgebäude der Universität bildet es seit dem Zweiten Weltkrieg den Rest der Bebauung im Schlossgarten aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus ist das Kriegerdenkmal eins von wenigen Werken Moldenschardts, das von seinen zahlreichen Bauten in Kiel erhalten blieb.

Quellen und Literatur:

Ralf,

Hartmut: Das Kriegenkmal 1870/71 im Kieler Schloßgarten. In Nordelbingen, Bd. 48, Heide 1979

Sievers,

Kai Detlev: Das Kriegerdenkmal und das Denkmal Wilhelms I.: In Begegnungen mit Kiel, Neumünster 1992, S. 111 ff.

Akten des Stadtarchivs

zur Errichtung: 1064, 1065 und 10059 (in der Rubrik Kultur)

Akten des Stadtarchivs zum geplanten Abbau: 56573 (in der Rubrik Hochbauamt)

Autorin: Christa Geckeler (1937 - 2004)


Literatur

zu weiteren Denkmälern in Kiel:

Kiesel, Marianne: Kunst im Freiem und Denkmale in Kiel und Umgebung. Kiel 1993




Dieser Artikel kann unter Angabe des Namens der Autorin Christa Geckeler, des Titels Kieler Erinnerungstage: 2. September 1879 | Am 2. September 1879 wurde das Kriegerdenkmal im Schlossgarten eingeweiht und des Erscheinungsdatums 02. September 2004 zitiert werden.

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=15

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