Wie dänisch ist und war Kiel? 100 Jahre Volksabstimmung aus der Kieler Perspektive

2020 jährt sich die deutsch-dänische Volksabstimmung zum 100. Mal. Damit wurde die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark festgelegt, die bis heute Bestand hat.

Zwischen Dänemark und Kiel bestehen heute noch vielfältige Verbindungen.

Einen Einblick in diese spannenden 100 Jahre Geschichte erhalten Sie in der Broschüre "Kiel und Dänemark - Rück- und Ausblick anlässlich des Jubiläums der Volksabstimmung 1920".

 
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Kiel und Dänemark - Rück- und Ausblick anlässlich des Jubiläums der Volksabstimmung 1920
 
Cover Broschüre. Kiel und Dänemark - Rück- und Ausblick anlässlich des Jubiläums der Volksabstimmung 1920

Die Broschüre liegt in gedruckter Form u.a. im Einwohnermeldeamt und dem Welcome Center am Stresemannplatz aus. Sie können sie außerdem über anfordern.


Die Geschichte

Seit 100 Jahren besteht die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark. Diese kam durch eine demokratische Abstimmung der Bewohner*innen und der in dem Abstimmungsgebiet geborenen zustande. Trotzdem war die Grenze zunächst von deutscher Seite weiter umkämpft, während Dänemark 1920 genforeningen - die Wiedervereinigung mit (einem Teil von) Schleswig - feierte. Seitdem überdauerte die Grenze den Zweiten Weltkrieg und die Infragestellung von beiden Seiten.

Mit der Kieler Erklärung 1949 wurden der dänischen Minderheit erstmals die gleichen Entfaltungsmöglichkeiten wie der deutschen Mehrheitsbevölkerung garantiert, ehe mit den gegenseitigen Bonn-Kopenhagener-Erklärungen die deutsche Bundesregierung und die dänische Staatsregierung 1955 sich wechselseitig zusicherten, den Minderheiten volle rechtliche Gleichheit mit der Mehrheitsbevölkerung zu gewähren und sich bekannten die Kultureinrichtungen der Minderheiten aktiv zu fördern. Heute gibt es in einzelne Fragen immer noch Unstimmigkeiten im Grenzgebiet, aber in der Betrachtung der Grenzfrage herrscht Eintracht.

In Kiel zeigen sich auch heute noch Spuren des dänischen Einflusses und der Nähe Schleswig-Holsteins zu Dänemark. Knapp ein Jahrhundert im dänischen Gesamtstaat (1773-1864) haben Kiel geprägt. Damals wurde die CAU eine königlich dänische Universität. Bis heute stehen Einrichtungen der Universität in dieser Tradition, nicht zuletzt die Abteilung Skandinavistik des Instituts für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFAS), die aus dem Nordischen Institut hervorging, dessen erster Professor der dänische Schriftsteller Jens Immanuel Baggesen war.

 

Zwischen Dänemark und Kiel bestehen heute noch vielfältige Verbindungen. Zwar gibt es keine Fährverbindung mehr, aber das Königlich Dänische Honorarkonsulat und Kiels Partnerstadt Aarhus sind Ausdrücke der engen Verbindung. Die Partnerschaft mit Aarhus weißt in die Zukunft, da hierdurch Projekte vorangetrieben werden, die beide Städte fit für die Zukunft machen sollen. Daher ist Dänemark nicht nur Kiels Partner in der Vergangenheit gewesen, sondern auch für die zukünftige Entwicklung Kooperationspartner und Vorbild.

Jenseits von Institutionen und offiziellen Kanälen halten Kieler*innen die Beziehungen mit Dänemark aufrecht und pflegen die deutsch-dänische Freundschaft, wie es die seit 50 Jahren bestehende Deutsch-Dänische Gesellschaft Kiel e.V. entsprechend ihrem Ziel „Deutsche und Dänen einander näher zu bringen“ leistet. Hierfür muss aber nicht einmal in die Ferne geblickt werden, da in Kiel die Dänische Minderheit heimisch ist und ihre Kultur und Sprache pflegt, sodass das Dänische hier fest verwurzelt ist. 

Das ursprünglich geplante Veranstaltungsprogramm anlässlich des Grenzjubiläums aus Vorträgen und Führungen, Ausstellungen, Theater und Film musste auf Grund der aktuellen Pandemie-Lage leider abgesagt werden. 

 


Die Vorträge

Das Jahr 1920 wird auch als ein ‚Schicksalsjahr‘ für Schleswig-Holstein betrachtet.

Professor Dr. Oliver Auge, Direktor der Abteilung für Regionalgeschichte des Historischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, betrachtet in seinem Vortrag „Schleswig-Holstein nicht mehr ‚ungedeelt‘ – die Volksabstimmungen und Grenzziehung 1920“ die unmittelbaren Folgen der Grenzziehung insbesondere im Hinblick auf die schleswig-holsteinische und dänische Geschichte des 20 Jahrhunderts.


„1920. Eine Grenze für den Frieden. Die Volksabstimmungen zwischen Deutschland und Dänemark“

1918 hatte Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren. 1919 sollte der Vertrag von Versailles den Frieden regeln. Ein Punkt des Friedensplans war eine Volksabstimmung darüber, in welchem Staat die Menschen leben wollten – in Deutschland oder in Dänemark.

Diese Frage war jahrhundertelang heiß umkämpft, zwischen Herrschenden genauso wie zwischen Beherrschten. 1920 entschieden dann knapp 200 000 wahlberechtigte Einwohner des Herzogtums Schleswig in einer Volksabstimmung darüber, wo künftig die deutsch-dänische Grenze verlaufen sollte, und diese Grenze ist bis heute friedlich und stabil.

Doch warum wurde die neu gezogene Grenze zu einer vorbildlichen »Grenze für den Frieden«? Dieser Frage geht Dr. Jan Schlürmann, Historiker und Wissenschaftlicher Referent am Schleswig-Holsteinischen Landtag, in seinem Vortrag nach, den er auf der Grundlage seines bei Wachholtz erschienen Buches verfasst hat.


KulturSpuren - sichtbare Verbindungen zu Dänemark

Seit 2016 können Interessierte die Kieler Stadtgeschichte mobil entdecken. Machen Sie sich - zu Fuß oder mit dem Rad - auf den Weg auf den Weg die zahlreichen Verknüpfungen mit Dänemark im Kieler Stadtgebiet zu erkunden.

Manche von ihnen sind historisch, andere ganz aktuell. Gebäude und Kunstwerke erinnern an die gemeinsame Geschichte Schleswig-Holsteins und Dänemarks und zeigen die bis heute anhaltende Verbundenheit.

KulturSpuren Dänemark entdecken.

 

Der Marientempel (Quelle: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek)
Der Marientempel (Quelle: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek)


Der Dänische Bücherbus
Dänischer Bücherbus

Der dänische Bücherbus hält circa 2.200 Medien aller Art bereit und hält einmal pro Monat am Freitagnachmittag von 14 bis 16 Uhr
neben der Zentralbücherei im Neuen Rathaus (Ecke Fabrikstraße / Heinrich-Ehmsen-Platz). Die Kund*innen können Medien aus den gesamten Beständen der Dänischen Zentralbibliothek in den Bus bestellen. 

Einen Ausweis bekommt man nach Vorlage eines gültigen Personalausweises. Die Ausleihe ist kostenlos.

Weitere Informationen zum dänischen Bücherbus erhalten Sie hier.


Gemeinsam über Grenzen

Alles zu dem Projekt „Gemeinsam über Grenzen“ der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung zum 100. Jubiläum der Volksabstimmung finden Sie hier.

Logo 100 Jahre Volksabstimmung. Gemeinsam über Grenzen.

 

Kunsthalle zu Kiel

„Right here. Right now. Jeppe Hein zu Gast in der Sammlung“
Die Kunsthalle zu Kiel zeigt in Kooperation mit dem Schleswig-Holsteinischen Kunstverein im Deutsch-Dänischen Kulturellen Freundschaftsjahr Werke des gebürtigen Dänen Jeppe Hein im Kontext künstlerischer Positionen aus der Sammlung.
Weitere Informationen zur Ausstellung

Jeppe Hein, Green Mirror Balloon (dark),cropped, 2017  Courtesy the artist, KÖNIG GALERIE, Berlin, London,  Tokyo, 303 GALLERY, New York, and Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen  © Studio Jeppe Hein/Florian Neufeldt


Unsere Kooperationspartner*innen

Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V.

Kieler Klosterverein e.V.

Deutsch-Dänische Gesellschaft e.V.

Interessengemeinschaft Dänische Straße e.V.

Kiel Marketing GmbH

Die Pumpe e.V.