Wettbewerb Holtenau-Ost

3. Preis - Wettbewerbsarbeit 1004

DFZ Architekten, Hamburg | PosadMaxwan, Den Haag (NL) | Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin

 

 

Übersichtsplan

Übersichtsplan

 

Die Idee

Holtenau Ost liegt im zentralen Punkt der Küste und des grünen Gürtels um Kiel. Es ist einer der wenigen Orte, an denen die Wasserküste durch die Landschaft mit geformt wird. Ein Gebiet, welches nicht nur die Chance für Wohnen am Wasser bietet, sondern auch dem Rest der Stadt als Ziel dienen kann, welches über eine hochattraktive Anbindung über das Wasser in die Stadt integriert wird.

Die bestehenden historischen Gebäude und die Landschaft mit Relikten des ehemaligen Nutzens bilden den Rahmen für eine großartige neue Nachbarschaft, die sich in Größe und Struktur in den Kontext einfügt und eine Verbindung erkennen lässt. 

Drei Kerne – unterschiedlich in Charakter und Funktion, aber mit einer vereinenden Identität – sind über ein Gerüst aus grüner Landschaft, langsamer Fortbewegung und öffentlichen Räumen verbunden. Nicht zu urbane Grundstrukturen, welche mit dem Kontext in Zusammenhang treten, sind dennoch flächeneffizient angelegt. Indem den verschiedenen Kernen eine ausreichende Dichte zugedacht wird, werden ausreichend Kapazität für Einrichtungen in der Gegend geschaffen und das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner*innen gestärkt. Auf der anderen Seite stellt dies sicher, dass genügend Fläche zur Entwicklung der prägenden Landschaft vorhanden ist und diese mit an das Wasser herangeführt werden kann.

Der Entwurf verfolgt einen klimaneutralen Ansatz: eine positive Balance im Thema Biodiversität, Neubauten aus Holz (Holz Recycling und Neupflanzung klimaangepasster Bäume), Recycling und Umnutzung bereits vorhandener Resourcen und die Bepflanzung vieler Bestandsdächer mit Grünpflanzen, welche Wasser halten können, um diese lebendiger zu integrieren. Wir glauben, dass das Gelände optimal ausgestattet sein sollte für entmotorisierten Verkehr, Fahrräder und Fußgänger.*innen Dies bedeutet nicht, dass es unzugänglich ist mit dem Auto, doch soll es keine direkte Verbindung von Norden nach Süden geben, um der Erfahrung der Landschaft mehr Priorität zu geben. Der Entwurf sieht einen Mobility Hub im zentralen Kern vor. Hier können Autos abgestellt, das Verkehrsmittel gewechselt, Pakete abgeliefert, generierte Energie gespeichert sowie weiterverteilt werden.

Die „blaugrüne Stadt“ nennen die Verfasser ihren Beitrag und tatsächlich entwickelt sich Wald und See ein zusammenhängender, sehr dichter Siedlungsteppich in dem die Teilquartiere dicht gefügt beieinanderliegen. Vier Teilräume bilden sich dabei heraus: die Ostseeterrassen, das Waldquartier, das urbane Quartier und der maritime Gewerbepark. Mittels unterschiedlicher Bautypologien und Körnungen entstehen jeweils eigene Atmosphäre und Identität die die örtlichen Potentiale und Aufgaben versinnlichen. Freiraum und Landschaft fließen dabei im Vergleich der Arbeiten sparsam in die Siedlungsstruktur ein, vorrangig als präzise definierte Fugen, als baumbestandene Stadtstraßen oder als kleinteilige Plätze und Pocket-Parks im Siedlungsteppich. Im Hinblick auf das entstehende Flächen- und Wohnungsangebot liegt die Arbeit im oberen Bereich und ist sehr ökonomisch.

Das Urbane Quartier als zentrale Scholle wird verschieden bewertet: Der modulare Siedlungsteppich aus Kleinblöcken und Solitären arbeitet mir versetzten Raumfolgen und kommt dadurch spannend und abwechslungsreich daher. Andererseits wirkt die Struktur auch labyrinthisch und entwickelt im Hinblick auf den Wasserbezug wenig räumliche Tiefe, die Gebäudetypen und -kubaturen sind wenig abwechslungsreich und variabel. Das Repertoire der Freiräume in seiner Körnung und Vielfalt wird allerdings gewürdigt, insbesondere Marktplatz und Fährplatz liegen gut und sind angenehm dimensioniert. Angesichts der geringen Durchlässigkeit des Quartiers konzentriert sich die übergreifende Frequentierung des Freiraums stark auf die umlaufende und durchgängig gleichartig behandelte urbane Promenade. Im Hinblick auf die Belebung der Promenade (und andererseits der Ruhe im Quartier) zeigt das Urbane Quartier hier ein Strukturmerkmal, das eher positiv gesehen wird.

Die Ostseeterrassen werden kontrovers diskutiert. Sie bilden eine kraftvolle und klare Kulisse am Ufer. Allerdings beanspruchen sie straßenseitig auch Tabuflächen am Wald und erscheinen Manchem als Eröffnung gegenüber der Bestandssiedlung sehr wuchtig. Trotz der Einfügung in den Hang wirken sie nicht allzu ortsspezifisch und wenig adaptiv. Sehr gut bewertet wird dagegen der Vorschlag zur Nachnutzung der Piers mit den Floating Homes und der experimentellen Arbeit mit Aquaponik und Aquafarming. Zu beachten wäre, dass die vorhandene Buhne nicht langfristig erhalten werden kann.

Im Waldquartier wollen die Verfasserinnen von den bestehenden Gehölzen profitieren und Wohngruppen in die Lichtungen setzen. Gerade entlang der Haupterschließungen wird diese Intention angesichts der angebotenen Blockbebauung nicht eingelöst, hier erscheint die bauliche Dichte viel zu hoch um eine deutliche Differenz zu den anderen Quartieren auszubilden, auch wenn der Wunsch klare Straßenräume zu fassen nachvollziehbar ist. Die zunehmende Auflockerung der Bebauung im Westen wird gewürdigt, dennoch fällt auch hier der Waldabstand der Neubebauung zu gering aus.

Der Maritime Gewerbepark zeigt mit der blockartigen Clusterbildung und dem Square am zur Music Hall umgebautem Hangar stadtgestalterische Ambition und arbeitet dennoch mit brauchbaren Körnungen für die gewerbliche Nutzung. Dies entspricht dem Anspruch der Ausloberin an ein zeitgemäßes Quartier zum Arbeiten in privilegierter Lage. Besonders gewürdigt werden die präzise geschnittenen Fugen in Ost-West-Richtung. Die verbliebenen dominanten Elemente der Feuerungsanlage verschaffen dem Orte auf selbstverständliche Weise seine Identität und bauen den Bezug zum Flugfeld im Westen auf. Das überplante Baufeld auf dem ABz Grundstück steht nicht zur Verfügung. Die Umsetzung der Schwimmenden Promenade ist wenig wahrscheinlich, für das Konzept allerdings auch nicht unabdingbar.
Das Mobilitätskonzept entspricht den Anforderungen, hier gefallen die sorgfältigen Behandlungen auch der Haupterschließungsstraßen als Alleen und die kleinteilige Verteilung von Mobility Hubs / Parkhäuser als gut handhabbare Stadtbausteine. Die Aussagen zum Klimakonzept stellen den machbaren Stand der Technik dar, eine Neigung zur Aufheizung wird angesichts der kompakten und dichten Stadtstruktur nicht vollständig zu vermeiden sein.

Die Arbeit ist insgesamt gut durchgearbeitet und kann eine Vielzahl guter Orte entwickeln. Der Ansatz der vier kontrastierenden Quartiere funktioniert nicht an allen Stellen, wird aber dennoch als taugliche Strategie gewürdigt. Die Flächenbeanspruchung der Arbeit ist sehr ökonomisch zulasten einer weitergehenden inneren Präsenz der Landschaft. Vielleicht ist es aber genau diese Effektivität inmitten intakter Landschaftsräume, die den spezifischen Beitrag zur Nachhaltigkeit dieser Arbeit ausmacht.


Einzelpläne

Vogelperspektive
Entwurfsplan
Entwurfsplan Wohnnutzungen

 

Visualisierung Nutzungsarten
Visualisierung Uferpromenade
Visualisierung Marktplatz

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