Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir eine*n Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

 

November 2020: Tatjana Allers - Zero Waste City

Eine Frau steht am Tisch und präsentiert einen Folder
Foto: Gunnar Dethlefsen
Was hat dich nach Kiel geführt?

Ursprünglich komme ich aus Buxtehude, wo ich die ersten 18 Jahre meines Lebens verbracht habe. Nach der Schule ging es dann raus in die Welt. Erst für ein Jahr nach Neuseeland und im Anschluss nach Bremen, Lüneburg und Arizona zum Studieren – aber nirgendwo bin ich so richtig angekommen. Das Gefühl, zuhause zu sein, das ich aus Buxtehude kannte, kam einfach nicht auf, unabhängig davon, wie gerne ich auch an den anderen Orten gelebt hatte. Das hat sich sehr schnell – und unerwartet – geändert, als ich Kiel kennengelernt habe. Als mein Freund 2016 für das Studium in den Norden zog, habe ich viele Wochenenden hier oben verbracht und jedes Mal, wenn sich der Zug Kiel näherte, hatte ich das vertraute Gefühl, nach Hause zu kommen.

Irgendetwas hat Kiel mit mir gemacht. Da ich selber auch Nachhaltigkeit studiert habe und mich persönlich schon viele Jahre mit dem Thema befasse, habe ich schnell gemerkt, wie viele großartige Projekte es in Kiel gibt und wie zukunftsorientiert die Schleswig-Holsteinische Landeshauptstadt ist. Mein absolut größter Wunsch war es, hier zu leben und ein Teil davon zu werden. Umso glücklicher bin ich darüber, meinen Traumjob in und bei der Landeshauptstadt Kiel gefunden zu haben.

Was genau machst du?

Ich bin Zero Waste-Projektleiterin im Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel. Ich hatte das große Glück, genau zu dem Zeitpunkt bei der Stadt anfangen zu dürfen, als das Zero Waste-Projekt ins Rollen kam und habe schnell die Möglichkeit bekommen, Zero Waste zu meinem Herzensprojekt zu machen.

In diesem recht neuen Themenfeld hieß es zunächst, eine eigene Strategie für Kiel zu erarbeiten und ein Verständnis dafür zu entwickeln, was es bedeutet, eine Zero.Waste.City zu sein. Häufig - und berechtigterweise - werde ich genau dies gefragt, denn, wenn man Zero Waste wörtlich nimmt, würde dies in der Tat bedeuten, dass überhaupt keine Abfälle mehr anfallen dürfen. Das ist in Anbetracht der aktuellen Abfallmengen natürlich wenig motivierend und daher nicht Ziel des Vorhabens. Zero Waste stellt stattdessen eine Vision dar, der wir Schritt für Schritt näherkommen wollen. Bei Zero Waste steht der Schutz unserer Ressourcen im Vordergrund. Ziel ist es, Abfälle, wo immer es geht, zu vermeiden und Produkte im Stoffkreislauf zu erhalten. Kiel hat sich unter anderem die Ziele gesetzt, bis 2035 die Gesamtabfallmenge um 15 Prozent zu reduzieren und die Restabfälle zu halbieren.

Um dieses große Themenfeld greifbar zu machen, habe ich die Entwicklung des Zero Waste-Konzeptes für Kiel koordiniert. Hierfür hatte unser Zero Waste-Team nicht nur Expert*innen-Unterstützung durch das Wuppertal Institut, sondern auch von über 450 Kieler*innen, die gemeinsam mit uns Maßnahmen zur Abfallvermeidung erarbeitet haben. Nun geht es darum, die Theorie in die Praxis umzusetzen, das Thema bekannt zu machen, ein Bewusstsein zu schaffen, Netzwerke zu stärken und aufzubauen und Stakeholder einzubeziehen.

Schon während der Konzepterstellung habe ich viele großartige und engagierte Menschen kennengelernt. Insgesamt haben wir 72 lokale Initiativen und Aktivitäten in Kiel gesammelt, die sich mit der Abfallvermeidung befassen. So ist zum Beispiel der Zero Waste Kiel Verein als Ideengeber und Kooperationspartner ein echter Experte in dem Bereich, aber auch weitere lokale Initiativen oder Vereine, wie das echt.gut.Kaufhaus, das Glückslokal oder auch das Reparatur-Café sind Vorreiter. Daher freue ich mich umso mehr auf die Umsetzungsphase, die gemeinsam mit allen Kieler*innen mit Leben gefüllt werden muss und jede Menge Platz für gemeinsame Projekte, neue Netzwerke und tolles Team-Work bietet.

Welche SDGs sind von deinem Engagement besonders berührt?

Zero Waste passt gleich zu mehreren SDGs:

SDG 12: Nachhaltige/r Konsum und Produktion ist definitiv das wichtigste Nachhaltigkeitsziel für Zero Waste. Der Grund, weswegen Zero Waste so ein wichtiges Thema geworden ist, ist die Konsumgesellschaft, in der wir leben. Wir produzieren und kaufen viel zu viele Dinge, nur um sie am Ende wieder zu entsorgen. Und weil sich diese Dinge häufig noch viel besser verkaufen lassen, wenn sie „schön“ verpackt sind, wird umso mehr Abfall generiert - ganz zu schweigen von den Abfällen, die beim Transport und durch Umverpackungen erzeugt werden.

SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden: Das Zero Waste-Vorhaben der Landeshauptstadt Kiel unterstützt außerdem das SDG 11, denn durch die Abfallvermeidung und Ressourcenschonung trägt das Zero Waste-Vorhaben zur nachhaltigen Stadtstrategie Kiels bei und knüpft direkt an die bestehenden Nachhaltigkeitsaktivitäten, wie den Klimaschutz, an.

SDG 14: Meeresschutz: Zero Waste hat vor allem die Abfallvermeidung und den Schutz der Ressourcen zum Ziel. Ebenso spielt aber auch das Thema „Littering“, also Vermüllung, eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Zero Waste - nämlich dann, wenn Abfälle unkontrolliert in der Umwelt landen, anstatt vermieden, wiederverwendet oder recycelt zu werden. Dann stellen sie eine Gefahr für unsere Umwelt dar und besonders Plastikabfälle gefährden das Leben unter Wasser. Schätzungen zu Folge wird es bis 2050 mehr Plastik im Meer geben als Fische. Dies soll durch Zero Waste-Grundsätze vermieden werden.

SDG 15: Ressourcen- und Klimaschutz sind eng verwandt. CO2-Emissionen entstehen nicht erst bei der Entsorgung von Abfällen, sondern auch bei der Gewinnung von Rohstoffen, deren Verarbeitung und dem Transport.

SDG4: Bildung: Auch zu dem SDG 4 gibt es eine Verbindung zu Zero Waste, denn eine der wichtigsten Aufgaben bei Zero Waste ist die Bewusstseinsbildung. Hochwertige Bildung sollte vor allem Bildung für Nachhaltige Entwicklung beinhalten, bei der der Ressourcenschutz ein großes Themenfeld bindet. Bei dem Kieler Zero Waste-Vorhaben spielen auch die Bildungseinrichtungen eine große Rolle, denn vor allem die Kleinsten in der Gesellschaft sind unsere größten Multiplikator*innen. Wenn die Kinder ihren Eltern zu Hause auf die Finger klopfen, haben wir schon eine ganze Menge erreicht.

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich Zukunft und Chancen für die nachfolgenden Generationen. Ich bin davon überzeugt, dass Zukunftsfähigkeit und Generationengerechtigkeit alle Nachhaltigkeitsthemen verbinden. Ich wünsche mir eine gerechte Welt, in der wir Menschen reflektiert handeln – sowohl gegenüber unseren Mitmenschen, als auch gegenüber unserer Umwelt – und eben nicht mehr frei nach dem Motto „Und nach mir die Sintflut“.

Ein Satz, den mein Professor mir mal sagte, ist „Earth will be fine!! But our ecosystems won’t…“ und dieser eine Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn es unseren Ökosystemen schlecht geht, geht es auch uns schlecht. Wir müssen aufhören, zu Lasten unserer Umwelt zu leben und anfangen unseren Planeten als das zu sehen, was er ist – ein Planet mit Grenzen, die wir nicht überschreiten können. Hier findet immer mehr und mehr ein Umdenken statt. Auch ich möchte meinen Beitrag dazu leisten und freue mich, dass ich besonders in meiner Funktion als Zero Waste Managerin fast täglich für die Zukunftsfähigkeit von Kiel arbeiten kann.

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

In meiner Vision von Kiel 2030 wird der aktuelle Nachhaltigkeitstrend nicht mehr als „Trend“ wahrgenommen, sondern ist zur Gewohnheit geworden. Häufig stelle ich fest, dass ich in einer gewissen Blase lebe, in der Nachhaltigkeit zwar in meinem Umfeld eine große Rolle spielt, längst aber nicht überall. 2030 leben alle Kielerinnen und Kieler in dieser Blase und Nachhaltigkeit ist eine Selbstverständlichkeit geworden.

Auf allen Veranstaltungen in Kiel wird ausgelassen mit Mehrweggeschirr gefeiert und die Möwen sehen es nur noch auf unsere Fischbrötchen ab, anstatt sich um Plastikabfälle zu streiten. Leihen, Teilen, Tauschen, Verschenken und Reparieren liegt im Trend und immer weniger Wertstoffe landen in der grauen Tonne. Kiel ist zwar die erste, lange aber nicht mehr die einzige, Zero.Waste.City in Deutschland.


Die Interviews der vergangenen Monate

Oktober 2020
 
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Leiterin des Sachbereichs Internationales und Nachhaltigkeit

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